15.01.2018

Die Digitalisierung beschert der Stadtbücherei noch mehr Nachfrage

Stadtbücherei

Das Medien- und Informationszentrum auf dem Viehmarktplatz gehört weiterhin zu den besucherstärksten Einrichtungen der Stadt. Allerdings, so zeigt der nun vorgelegte Jahresbericht für 2017, verlagern sich die Besucherströme als auch die Mediennutzungen immer mehr in den digitalen Bereich. Von den mehr als 2.000 Kundenkontakten an jedem Öffnungstag sind nur noch 46 % physische Besuche in der Stadtbücherei auf dem Viehmarktplatz oder in den beiden Schulbibliotheken. 54 % sind Besuche auf der Homepage, im E-Book-Portal, beim Musikstreaming-Dienst freegal oder auf Fakten-Datenbanken. Diese elektronischen Angebote sind es auch, die die Mediennutzung um immerhin 4,5 % wachsen lassen. Der neue Jahresbericht liegt ab sofort aus und ist unter www.medienzentrum-biberach.de abrufbar.

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Deutscher Lesepreis Anne Grauel Frank Raumel MIZ Biberach
(C) Stiftung Lesen - Bildschoen: Bibliotheksleiter Frank Raumel und Diplom-Bibliothekarin Anne Grauel nahmen den Deutschen Lesepreis in Berlin entgegen.

 

Zusammen mit seinen zwei nicht-öffentlichen Zweigstellen in den Schulen hatte die Stadtbücherei 2017 fast 4.700 Stunden geöffnet. In dieser Zeit wurden von 9.089 Kunden 557.000 Medien ausgeliehen und zusätzlich 77.000 mal digitale Angebote genutzt. Was die 840 Besucher täglich in der Zentralbibliothek direkt nutzen wird nicht erfasst, aber eine zunehmend lange Aufenthaltsdauer dokumentiert eindrucksvoll die Funktion als Treffpunkt, Lese- und Arbeitsplatz. Sowohl die Nutzung der zeit- und ortsunabhängigen Online-Services wie die Homepage, Verlängerung, Vorbestellung etc. als auch der digitalen Informations- und Medienangebote nimmt weiter zu. Die E-Book-Ausleihe wird inzwischen von 15,3 % der Kunden genutzt und erzielt mit 23.600 Ausleihen ein Plus von 3,3 %. Jeder E-Book-Kunde liest durchschnittlich 17 E-Books – überwiegend im Urlaub oder auf Reisen! Und dies meist zusätzlich zur Nutzung der physischen Medienangebote.

Das veränderte Nutzungsverhalten in einer digitalisierten Welt wird aber auch in der verstärkten Kundenkommunikation über E-Mail und SMS sichtbar. Nur noch jeder fünfte Kunde kommuniziert mittels Briefpost. Dreiviertel aller Kunden lassen sich automatisch über anstehende Rückgabetermine informieren und erledigen 55 % aller Verlängerungen sowie 21 % aller Medienrückgaben außerhalb der Öffnungszeiten.

Bibliotheksleiter Frank Raumel hat mit seinem Team das Onlineangebot auch im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Mit freegal steht seit September ein Musikservice online zur Verfügung, der jedem Kunden 3 Stunden Musik pro Tag und 3 Downloads pro Woche aus einem riesigen Angebot von über 13 Millionen Musiktiteln ermöglicht. „Viele Kunden“, so Raumel, „sind 24 x 7 – Angebote gewohnt, erwarten schnellen und umfassenden Service – zeit- und ortsunabhängig. Gleichzeitig erleben wir, dass die Kunden auch den „Treffpunkt Stadtbücherei“ als nichtkommerziellen, neutralen Informations- und Aufenthaltsort brauchen und sich möglichst lange Öffnungszeiten wünschen: „Stadtbücherei – wo und wann ich will.“ So ist auch der Flyer der Stadtbücherei betitelt, der das gesamte Angebot des „MIZ 24“ auflistet.

Als Highlights des Jahres bezeichnet der Bibliotheksleiter die Auszeichnung mit dem Deutschen Lesepreis für die nachhaltige und flächendeckende Leseförderung in Biberach mit dem „Netzwerk Lesen“ sowie die zehnmillionste Ausleihe im „Neuen Bau“. „Die Leseförderung ist uns ein sehr wichtiges Anliegen. Verschiedene Studien, zuletzt IGLU, zeigen immer wieder, dass die Lesefähigkeit unserer Kinder vielfach zu wünschen übrig lässt. Und das wirkt sich auf den gesamten weiteren Bildungsweg negativ aus. Deshalb hat uns die Anerkennung des Projekts „Netzwerk Lesen“ so gefreut. Darin haben sich inzwischen 55 lokale Kindertagesstätten und Schulen zur Förderung der Lese-, Medien- und Informationskompetenz verpflichtet.“ Dadurch wird eine hohe Marktdurchdringung erreicht. So besitzen 67,6 % der Biberacher Grundschüler einen Leseausweis der Stadtbücherei. In der Altersgruppe 10 – 14 Jahre sind es stolze 87,9 %. Insgesamt konnten 2017 344 Führungen, Workshops und literaturvermittelnde Veranstaltungen (+ 13 %) für 9913 Kinder (+ 7 %) durchgeführt werden.

Die Förderung der Medienkompetenz wurde sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene ausgebaut. In der Reihe "E-Life" fanden zahlreiche Vorträge und Einzelberatungen statt und "Tommi", der deutsche Kindersoftwarepreis, regte Kinder zur kritischen Auseinandersetzung mit Computerspielen an. Im Rahmen des Kulturleitthemas „Makerspaces: Kreativ. Räume. Gestalten.“ konnten sich 200 Kinder mit dem Programmieren auseinandersetzen, wurden augmented und virtual reality erlebbar.

Das gesamte Medienangebot wurde fortlaufend aktualisiert und wuchs insbesondere durch den Ausbau der Schulbücherei im Heinz H. Engler-Forum auf mehr als 117.000 Medien an.

Dass die Kunden mit der Bücherei weitgehend zufrieden sind, zeigt sich nicht nur an den Rückmeldungen in der Besucherbefragung, die im September durchgeführt worden war, sondern auch an der zunehmenden Zahl der Stammkunden: 4.885 Kunden (53,7 %) sind seit fünf Jahren und länger kontinuierlich dabei und immerhin 667 Leserinnen und Leser pflegen seit mindestens 20 Jahren ihre Mitgliedschaft.

In einem bunten und vielseitigen Jahresbericht informiert das Büchereiteam über weitere Ereignisse und Ergebnisse des vergangenen Jahres und kündigt erste Neuigkeiten für 2018 an. Er ist auf der Homepage www.medienzentrum-biberach.de und als gedruckte Ausgabe im Medienzentrum kostenlos erhältlich.