08.12.2017

Mit vielen Leseanreizen gegen abnehmende Lesekompetenz

Stadtbücherei

Die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 sind ernüchternd. Die Studie erfasst das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe. Deutlich wird, dass in Deutschland viele Grundschüler starke Probleme beim Lesen und beim Leseverständnis haben. Dem arbeitet die Stadtbücherei Biberach u.a. mit ihrem Leseförderprojekt „Netzwerk Lesen“ entgegen. Durch Kooperationen mit Kindergärten und Schulen bringt sie das Lesen in die Lebenswelten der Kinder und erreicht damit auch Schülerinnen und Schüler aus buchfernen Familien.

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Die IGL-Untersuchung erfasst das Leseverständnis von Sach- und literarischen Texten sowie die Einstellung der Kinder zum Lesen und ihre Lesegewohnheiten. Positiv ist, dass der Anteil an besonders lesestarken Schülerinnen und Schüler auf gut elf Prozent gesteigert werden konnte. Diese Schülergruppe verfügt über Lesekompetenzen, die es ihnen ermöglichen, Bezug auf Textpassagen oder einen ganzen Text zu nehmen, darin enthaltene Informationen zu ordnen und Aussagen selbständig interpretierend und kombinierend zu begründen. Im Gegenzug hat sich allerdings der Anteil an Kindern, die nicht über ein ausreichendes Leistungsniveau im Lesen verfügen, auf 18,9 Prozent erhöht. 2001 lag dieser Wert noch bei 16,9 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Schwäche auch beim Lernen in allen anderen Fächern in der Sekundärstufe I bemerkbar macht. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt Deutschland im internationalen Vergleich zurück und liegt im unteren Mittelfeld. In 20 Staaten erzielen die Schülerinnen und Schüler signifikant bessere Leseleistungen als vergleichbare Grundschulkinder in Deutschland.

Die Lesemotivation der deutschen Schülerinnen und Schüler ist erfreulicherweise weiterhin hoch. Gut 60 Prozent der Kinder gaben an, mindestens eine halbe Stunde täglich außerhalb der Schule zu lesen. Ein hoher Wert, auch im internationalen Vergleich. Bibliotheken werden landesweit von rund der Hälfte der Schülerinnen und Schüler ein- bis zweimal im Monat genutzt. Regional lässt sich in Biberach ein höherer Wert feststellen. Über 85 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen sind aktive Entleiher bei der Stadtbücherei Biberach oder den jeweiligen Schulbüchereien. Auch die Marktdurchdringung ist in dieser Altersgruppe in Biberach sehr hoch. So besitzen 85,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 14 Jahren einen Leseausweis bei der Stadtbücherei. Das liegt vor allem an der engen Vernetzung der Stadtbücherei Biberach mit den kommunalen Bildungseinrichtungen im Leseförderprojekt „Netzwerk Lesen“. Über 12 Jahre hinweg entstand ein umfangreiches Medien- und Serviceangebot, das zielgruppenspezifische Möglichkeiten bietet, den Spracherwerb, die Leselust und –fähigkeit sowie die Medienkompetenz zu fördern. Ein wichtiges Angebot, denn Leseverständnis legt den Grundstein für den weiteren Bildungsweg. Regelmäßige Leser verstehen komplexe Sachverhalte meist besser, können ihre Anliegen deutlicher formulieren und begegnen anderen Menschen häufig mit mehr Empathie.

Die IGL-Untersuchung zeigt auch deutlich, dass die Lesefähigkeit durch diverse soziale Faktoren beeinflusst wird. Schülerinnen und Schüler aus Familien mit mehr als 100 Büchern zu Hause zeigen deutlich bessere Leistungen als ihre Klassenkameraden aus Familien mit weniger Büchern. Auch der Migrationshintergrund spielt eine Rolle. So schneiden Kinder, bei denen auch zu Hause Deutsch gesprochen wird, besser ab, als Kinder, bei denen zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird. Problematisch ist, dass gerade bei leseschwachen Kindern die Lesehäufigkeit und –dauer weiter abnimmt. Es ist also wichtig, leseschwache Kinder gezielt zu unterstützen und zu fördern. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Schulen und durch eine Vielzahl an attraktiven und zeitgemäßen Angeboten zur Leseförderung, wie Medienboxen, altersgerechte Führungen und Veranstaltungen werden auch Kinder aus buchfernen Familien erreicht. Ein Büchereiausweis für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist kostenfrei in der Stadtbücherei erhältlich.